B – Willy Kressmann
Als Kressmann 1949 von seiner SPD zum Bezirksbürgermeister bestimmt wurde, wollte man ihn damit kaltstellen. Der Politiker war schon vor der NS-Zeit und wieder ab 1946 ein sehr unbequemer Parteigenosse. Doch in seinen 13 Jahren als Kreuzberger Bürgermeister wurde er durch viele Entscheidungen in der Bevölkerung populär. Anders als in seiner Partei und dem Senat, die von Kressmanns Aktionen oft genervt waren. So traf er sich mit den Chefs von Ringvereinen (vergleichbar mit heutigen Rockergruppen) in deren Lokalen. Er gab öffentlich bekannt, dass der Senat das neue Kreuzberger Rathaus bezahlt, was gar nicht geplant war. Der Senat konnte das danach jedoch nicht mehr ablehnen. Willy Kressmann lud gegen den Willen des Senats Ost-Berliner Bürgermeister ein. Ein anderes Mal räumte er persönlich Straßensperren an Grenzübergängen nach Ost-Berlin ab.
Weil seine Politik so unkonventionell und populär war, wurde Texas-Willy, wie er auch genannt wurde, sogar auf den Titelseiten des SPIEGEL sowie der New York Times abgebildet.

Foto: Jac. de Nijs / Anefo
Wikimedia Commons, CC 0 1.0